
Als Projektwelt Zukunft im August 2022 über die produktive Stadtregion als Kern einer regionalen Kreislaufwirtschaft berichtete hat, war dies mit der Hoffnung verbunden, dass in Deutschland und Europa eine tiefgreifende Umbauwende im Bauen und Produzieren einsetzen würde. 4 Jahre später zeigt sich jedoch, dass sich jenseits einzelner Leuchtturmprojekte wenig verändert hat. Klimafreund-liches und zirkuläres Bauen ist bisher dort zu finden, wo besondere Budgets, Förderprogramme oder engagierte Bauherrschaften zusammenkommen. Im normalen Wohnungs- und Städtebau dominier-en dagegen weiterhin wenige große Konzerne mit zentralisierten Produktions- und Planungsstruk-turen. Die strukturelle Transformation, die nötig wäre, um die Umbauwende in die Breite zu bringen, ist bislang ausgeblieben. Dabei fehlt es weniger an Wissen als an offenen Infrastrukturen. Was Europa braucht, ist ein offenes Bauprinzip, ein modularer Baukasten für den Holz- und Biobau, der sich skalieren und zugleich lokalisieren lässt. Ein solches System müsste flexibel genug sein für Neu-bauten ebenso wie für An- und Aufstockungen im Bestand und gleichzeitig offen genug, um von unterschiedlichen Akteur:innen genutzt, weiterentwickelt und produziert zu werden. Dabei ist klar, dass Holz allein nicht ausreichen wird. Angesichts begrenzter Ressourcen sollten auch Hanf, Stroh und weitere nachwachsende Rohstoffe systematisch integriert werden, um biobasierte Bauweisen tatsächlich massentauglich zu machen. Z.B. 3D gedruckte Häuser aus Hanf.

Ein offenes, modulares System würde die Logik der Bauproduktion grundlegend verändern. Statt zentraler Planung und industrieller Monopole entstünde ein Netzwerk dezentraler Produktions-strukturen, in denen regionale Werkstätten, Zimmereien, Fablabs und digitale Fertigungslabore nach gemeinsamen offenen Standards arbeiten. Planung, Produktion und Nutzung würden enger zusammenrücken, Wissen geteilt und industrielle Fertigung demokratisiert. Häuser und Quartiere könnten von Bürger:innen, lokalen Betrieben und Planer:innen gemeinsam gestaltet, repariert und weiterentwickelt werden – als lernende, veränderbare Strukturen statt abgeschlossener Produkte. Wichtige Ansätze dafür existieren bereits. Projekte wie Urban Beta oder Modul17 zeigen, dass modulare, normenkonforme und zirkuläre Bausysteme heute schon realisierbar sind. Urban Beta demonstriert mit seinem BetaPort-System und digitalen Planungstools, wie ein modularer Holz-baukasten industriell skalierbar umgesetzt werden kann. Gleichzeitig steht Biome mit seinem Holz-Hybrid- und Materialkreislauf-Ansatz exemplarisch für ein mögliches Gegenmodell zu einem GOLDBECK-ähnlichen Bau- und Immobilienkonzern: nicht als zentralisierte Produktionsmaschine, sondern als offene bauliche Infrastruktur, die dezentrale Fertigung, Rückbaubarkeit und zirkuläre Nutzung von Anfang an mitdenkt.

Damit Biome und ähnliche Ansätze über einzelne Projekte hinaus wirksam werden können, müssen sie jedoch konsequent geöffnet und mit weiterem Wissen verknüpft werden. Genau hier sind die Kompetenzen von Bauhaus Erde zentral, insbesondere im Aufbau biobasierter, klimapositiver Fer-tigungslinien, die ökologische Materialkreisläufe mit industrieller Präzision verbinden. Erst in der Verbindung aus offenen Standards, modularen Holz- und Biobausystemen, dezentraler Produktion, den materialbezogenen Kompetenzen von Bauhaus Erde und Akteuren wie Biome kann eine neue Baukultur entstehen. Eine Baukultur, die regionale Wertschöpfung stärkt, industrielle Produktion neu organisiert und die Gestaltung der gebauten Umwelt wieder stärker in die Hände von Commu-nities legt. Die produktive Stadtregion ist keine Vision, sondern eine konkrete infrastrukturelle Aufgabe. Ob die Umbauwende gelingt, entscheidet sich in kommunalen Ausschreibungen und Wettbewerben. Solange diese auf Größe und zentrale Produktionslogiken zugeschnitten sind, blei-ben regionale Akteure außen vor. Werden modulare Bauweisen, biobasierte Materialien, Rückbau-barkeit und regionale Wertschöpfung gezielt berücksichtigt, können offene Holz- und Biobausys-teme insbesondere bei Aufstockungen und im kommunalen Wohnungsbau wirtschaftlich Fuß fassen. Die Umbauwende beginnt dort, wo öffentliche Auftraggeber diese Optionen praktisch zulassen.