Mit fairen Marktplätzen das Land neu beleben

Mitmachworkshop auf einem Landhof

Ein historischer Bahnhof, viele engagierte Helfer und eine Menge Wissen über nachhaltiges Bauen – eine Utopie des Bauens? Nein, die Realität in Lastau bei Colditz. Im Juli 2021 fand so zum zweiten Mal ein vom Bauzirkel Leipzig organisierter 3-tägiger Mitmach-Workshop statt, im Zuge dessen ein historisches Bahnhofsgebäude aus dem Jahr 1775 ökologisch saniert wird. Die Teilnehmer lauschten Vorträgen, produzierten ökologische Baumaterialien und überprüften diese Baumaterialien dann auf Ihre Feuerfestigkeit. Ziel dieser Mitmachworkshops ist es, traditionelles Handwerkswissen weiterzugeben und aufzuzeigen, welche Potenziale für nachhaltiges Bauen in der Region bereits vorhanden sind. Zu Gast waren neben den Bürgermeister von Colditz die GWÖ Regionalgruppe Leipzig/ Halle sowie erfahrene Vertreter des ökologischen Bauens wie Ulrich Steinmeyer vom Fachhandelsverbund für ökologisches Bauen und Wohnen, Werner Ehrich vom Büro für gesunde Architektur sowie der Baubiologe Stephan De Bona. Auch das Baunativ aus Oschatz war vertreten.

Lehmplatten werden vor Ort selbst hergestellt und direkt verbaut

Vor allem geht es darum, gemeinsam die ländlichen Regionen mit regionaler Wertschöpfung und ökologischen Produktionsweisen neu zu beleben. Das Format des Mitmachworkshops könnte Schule machen für weitere ländlichen Regionen. In der Vision von Projektwelt Zukunft könnten sich Landprojekte mit Produ-zenten ökologischer Baustoffe, Biolandwirten und Handwerkern zu digitalen Marktplätzen zusammenschließen, in denen ausschließlich fair und regional unabhängig von konventionellen Großversorgern gehandelt und produziert wird. Dabei geht es nicht nur darum, regionale Märkte aufzubauen. Der Hauptzweck ist, dass die Einzelakteure und Kleinstbetriebe sich zu einem handlungsfähigem Netzwerk zusammenschließen.

Vertreter von Landprojekten mit Produzenten ökologischer Baustoffe einigen sich auf eine Plattformlösung

Im Rahmen zukünftig stattfindender Mitmachworkshops könnten sich die Teilnehmer und Gäste aus dem direkten Umland beim abendlichen Lagerfeuer gemeinsam auf eine Plattformlösung einigen, mit der man unkompliziert und kostenfrei alternative Marktplätze auf dem strukturschwachen Land abbilden kann. Coinsense.org ist eine demokratische Plattformlösung, die extra dafür entwickelt wurde. Mit Coinsense.org ist es möglich, gemeinwohlorientierte Projekte zu verwalten wie z.B. die Sanierung eines Lehmgebäudes. Auch kann man mit dieser Plattform Nachfrage und Angebote konkret abbilden sowie eigene Gemeinschaftswährungen erzeugen. Mit Gemeinschaftswährungen entsteht eine zusätzliche Stabilität für ökosoziale Projekte, da alle darin beteiligten Akteure sich durch diese gegenseitig ergänzend unterstützen können. Alle möglichen Dienstleistungen innerhalb des Netzwerks können von den Beteiligten in Anspruch genommen werden oder bekommen Nutzrechte in gemeinschaftlich erzeugten Produkten und Ressourcen. Das Ganze hilft enorm dabei, regionale Wertschöpfungsketten auf dem Land neu zu schaffen, die ökologisch und gemeinwohlorientiert ausgerichtet sind.